RS ZPV Frontansicht

Rohde & Schwarz Vektorvoltmeter ZPV mit Tuner ZPV-E1
(Bilder zum Vergrößern anklicken)

Der Rohde & Schwarz ZPV ist ein Vektoranalysator oder Vektorvoltmeter. Das Gerät mißt die Beträge von Wechselspannungen an zwei Eingängen und deren Phasenlage zueinander.

Zusätzlich können vollautomatisch Gruppenlaufzeiten und mit einem weiteren Vorsatzmodul auch Vierpolparameter (S-Parameter) gemessen werden.

Das Grundgerät enthält die Mikroprozessorsteuerung (Intel 8080, 1 kByte RAM) und die Signalverarbeitung, die bei nur 20 kHz stattfindet. Die modular einsetzbare Eingangssektion oder «Tuner» mischt die Meßsignale auf diese Zwischenfrequenz herunter. Verschiedene Tuner decken dabei den Frequenzbereich von NF bis ca. 2 GHz ab.

Entsprechend der Entstehungszeit bietet der ZPV auch noch analoge Schreiberausgänge zur Dokumentation der Meßergebnisse, obwohl er auch komplett per IEC-Bus (HPIB) steuerbar ist.

RS ZPV Rückansicht

Rückansicht. Zwei ZF-Ausgänge (20 kHz), polare Wobblerausgänge (analog erzeugt), polar/rechtwinklige Schreiberausgänge (aus D/A). Separater A/D Eingang.

Das Betriebshandbuch für das ZPV-Grundgerät (PDF, 3MB) kann bei KO4BB heruntergeladen werden.

RS ZPV Innenansicht

Innenansicht

Vom Design her ist der ZPV ein anspruchsvolles Gerät der späten 1970er Jahre. (Das Gerät in den Fotos wurde, den Datecodes nach zu schließen, in der 2. Hälfte des Jahres 1980 gebaut.)

Die Hauptbedienelemente sind sehr große, langhubige Tasten mit eingebauten Glühlampen zur Anzeige des aktuellen Betriebsmodus. Die Anzeige besteht aus zwei Feldern mit je 4 Ziffern (numerische Punktmatrix-Displays) und 3 Buchstaben/Symbolen (5x7 Matrix). Dazu kommen noch zwei LED-Zeilen zur Trendanzeige.

Die zwei Display-Felder zeigen beide Komponenten der gemessenen komplexen Größe an, wahlweise polar (Betrag, Phase) oder kartesisch (real/imaginär), linear (mV) oder logarithmisch (dBm), absolut oder relativ zu einem wählbaren Bezugspegel.

Reparaturen

Der hier gezeigte ZPV zeigte einige Altersbeschwerden. Zuerst war der Netzschalter mechanisch defekt (rastete nicht mehr ein). Bis ein passender Schalter auftaucht, ist er einstweilen kurzgeschlossen (echter Pfadfinder = allzeit bereit! :-)
Weiters waren einige Anzeigestellen defekt. Die numerischen Anzeigen mit Dekoder (TIL311) waren über ebay relativ leicht zu beschaffen.

Kanal B funktionierte anfangs überhaupt nicht. Ein versuchshalber Tausch der Eingangskanal-Printplatten gegeneinander zeigte aber, daß diese im Prinzip in Ordnung sein müßten. Als erster Verdächtiger tauchte die Buchse an der Rückseite des Tuner-Einschubes auf, nach Unterlegen des Gehäuseblechs mit Beilagscheiben gab der Stecker wieder Kontakt. Leider tritt das Problem immer noch zeitweise auf, die Suche nach dem Wackelkontakt geht also munter weiter.

Noch seltsamer aber ist ein ganz unauffälliger Fehler — im Bereich unter ca. 3 kHz zeigt Kanal A zwar zwischen +10 dBm und -20 dBm korrekte Werte an, bei niedrigeren Pegeln aber nicht mehr! Ein Tip im Handbuch führte zur Erkenntnis, daß das Problem im Bereich des "N-Path"–Filters zu suchen sein muß, ein Filter mit digital geschalteten Kapazitäten und 10 Hz (!) Bandbreite, das nur im besagten Frequenzbereich aktiv ist. Die Fehlersuche im Tuner ist etwas mühsam, weil kein Adapterkabel vorhanden ist, mit dem der Tuner außerhalb des Hauptgehäses betrieben werden kann. Da das Filter aber bei höheren Pegeln funktioniert, ist vermutlich die Verstärkungsumschaltung der 2. Filterstufe "unkooperativ". Jetzt müssen also noch ein paar TL191CN her ...